
Schlaues in 100 Sekunden -
Eine Forschergruppe um die Universität Wien unter Beteiligung des Berliner Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung hat in einer aktuellen Studie untersucht, warum die Wahrnehmung der Natur zur Schmerzlinderung führen kann. In der Studie stellte sich heraus, dass das sogar schon beim Anschauen von Naturvideos funktioniert.
Das Ergebnis: während ein Placebo nur die emotionale Reaktion auf den Schmerz lindert, quasi die Interpretation, sorgt die Naturerfahrung dafür, dass schon bei der Körperwahrnehmung des Schmerzes dieser in den entsprechenden Hirnregionen schwächer ausgeprägt wird. Ähnliches passiert übrigens auch beim Meditieren. Die Wirkung der Naturerfahrung war in etwa halb so groß wie die Wirkung von Schmerzmitteln. Das spricht dafür, gängige medikamentöse Schmerztherapien durch naturbasierte Therapien zu ergänzen.
HILFT UNS DIE NATUR?
Ja, das ist längst bewiesen! Wer nach einer OP durchs Krankenhausfenster auf einen Baum schaut, braucht weniger Schmerzmittel als jemand, der auf eine Mauer starrt. Und schon 20 Minuten in der Natur? Bringen uns runter. Neudeutsch „Waldbaden“ genannt.
Wieso lindert die Natur den Schmerz?
Das wollte eine Forschergruppe jetzt wissen. Das Berliner Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung hat auch mitgemischt.
WIE WURDE DAS UNTERSUCHT?
Die Versuchspersonen wurden mit Stromschlägen traktiert. Zur Ablenkung durften sie Videos schauen: von einem Büro, einer Stadtlandschaft – und der Natur. Wie aufregend! Im MRT wurden ihre Hirnströme analysiert.
WIE genau wirkt DIE NATUR GEGEN SCHMERZ?
In Hirnregionen, die Schmerz verarbeiten, war deutlich weniger los. Wir reagieren nicht emotional anders auf die Pein. Nein, die Schmerzsignale selbst werden gedämpft – bereits auf dem Weg von den Rezeptoren ins Oberstübchen. Sogar bei Naturmuffeln. Ganz schön schlau!
FUNFACT
..für Faule. Wir müssen uns nicht mal selbst in den Wald bewegen. Schon der Anblick von Naturvideos hilft.
WAS HEISST DAS NUN?
Der Anblick einer Landschaft wirkt immerhin halb so gut wie Schmerztabletten.
Die Natur fesselt und lenkt uns ab – so die Theorie. Und: Menschen auf dem Dorf müssten theoretisch weniger Schmerzen haben. Als Begründung darf das aber nicht herhalten - für den Ärztemangel auf dem Land.
Beitrag von Matthias Finger