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Wolle mal anders: Svenja Suhr aus Oranienburg verarbeitet nicht nur klassische Schafwolle, sondern spinnt auch Garn aus Hunde- und Katzenhaaren. Was einst Winterfell war, wird durch aufwendige Handarbeit zu edlen Schals, Decken oder Pullovern – eine einzigartige Möglichkeit, geliebte Haustiere auf besondere Weise zu bewahren.
Svenja Suhr aus Oranienburg hat eine außergewöhnliche Handwerkskunst perfektioniert: Sie spinnt und webt Wolle nicht nur aus klassischer Schafwolle, sondern auch aus Hunde- und Katzenhaaren. Diese nachhaltige und emotionale Form der Textilverarbeitung erlaubt es Tierbesitzern, eine bleibende Erinnerung an ihre geliebten Vierbeiner zu bewahren. Besonders das feine Unterfell eignet sich hervorragend für die Weiterverarbeitung, während steife, kurze Haare weniger gut verspinnbar sind.
Bevor die Haare zu Garn verarbeitet werden, erfolgt eine gründliche Reinigung. Dadurch wird sichergestellt, dass die fertige Wolle geruchsfrei ist – selbst wenn sie nass wird. Hundewolle hat zudem besondere Eigenschaften: Sie ist federleicht, benötigt nur geringe Mengen an Rohmaterial und bietet eine deutlich höhere Wärmeleistung als Schafwolle. Ein Schal aus dieser Wolle wiegt oft nur 150 Gramm, hält aber außergewöhnlich warm.
Vor allem im Frühjahr, wenn Hunde ihr Winterfell verlieren, fällt eine große Menge an verwertbarem Material an. Schon früher war es in bestimmten Kreisen üblich, die Haare von langhaarigen Hunderassen zu sammeln und weiterzuverarbeiten. Diese Tradition erlebt nun eine Renaissance, denn immer mehr Hundebesitzer lassen sich aus dem Fell ihrer Tiere individuelle Textilien anfertigen.
Der Verarbeitungsprozess ist aufwendig. Mit einer speziellen Kardiermaschine werden die Haare in eine Richtung gekämmt, um ein gleichmäßiges Spinnvlies zu erzeugen. Anschließend wird das Material zu feinem Garn versponnen. Ein einzelnes 100-Gramm-Knäuel erfordert bis zu zehn Stunden Arbeit, wodurch sich der Preis von rund 50 Euro pro 100 Gramm erklärt. Die Nachfrage ist enorm, da viele Tierhalter die Möglichkeit schätzen, ein Erinnerungsstück aus dem Fell ihres eigenen Haustiers zu besitzen.
Was als kleine handwerkliche Nische begann, hat sich zu einem gefragten Angebot entwickelt. Kunden senden Svenja Suhr das Fell ihrer Tiere, das sie anschließend zu Strickgarn verarbeitet oder zu fertigen Schals und anderen Textilien weiterverarbeitet. So bleibt ein Teil des treuen Begleiters auf ganz besondere Weise erhalten – nicht nur als Erinnerung, sondern auch als kuscheliger Schutz für kalte Tage.
Beitrag von Felix Krüger